Einzelhandels- und Zentrenkonzept

Die Landeshauptstadt Hannover befasst sich seit Jahren mit der Steuerung der Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben sowohl im periodischen als auch im aperiodischen Bedarf. Zuletzt wurden bestehende Teilkonzepte im Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Landeshauptstadt Hannover 2011 zusammengefasst und aktualisiert.

Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen im Hinblick auf den Einzelhandel spürbar verändert: Online-Handel, Digitalisierungsprozesse und Entwicklungen im stationären Handel führen zu einer sich stetig wandelnden Einzelhandelssituation, auf die reagiert werden muss.

Daher wurde nun das Einzelhandels- und Zentrenkonzept fortgeschrieben und durch ein Nahversorgungskonzept und ein Vergnügungsstättenkonzept ergänzt. Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Wesentliche Bestandteile des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes:

  • Überprüfung der Zentrenhierarchie für die Einkaufsstandorte in Hannover
  • Abgrenzung der Zentralen Versorgungsbereiche (mit Ergänzungs- und Entwicklungsbereichen)
  • Fortschreibung der "Hannoverschen Liste" der zentrenrelevanten und nicht zentrenrelevanten Sortimente
  • Abgrenzung von Sonderstandorten für Einzelhandel außerhalb der Zentralen Versorgungsbereiche
  • Formulierung von Zielen und Grundsätzen für die räumliche Einzelhandelsentwicklung
  • Handlungsempfehlungen für den Umgang mit den Auswirkungen der Digitalisierung im Einzelhandel (Online-Handel)

 Als Ziele der Einzelhandelsentwicklung sind formuliert:

  • Ziel 1: Stärkung der zentrenprägenden Funktionen Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie in den Zentren vor dem Hintergrund des digitalen Wandels
  • Ziel 2: Erhalt und Stärkung der oberzentralen Versorgungsfunktion
  • Ziel 3: Erhalt und Stärkung der Einzelhandels- und Funktionsvielfalt in den Zentren
  • Ziel 4: Erhalt und Stärkung der Identität der Zentren
  • Ziel 5: Erhalt und Ausbau kurzer Wege bzw. Verkürzung der Wege („Stadt der kurzen Wege“)
  • Ziel 6: Erhalt und Stärkung einer flächendeckenden Nahversorgungsstruktur im Bereich Nahrungs- und Genussmittel
  • Ziel 7: Erhalt und Stärkung der polyzentralen Nahversorgungs-struktur durch die Zentren
  • Ziel 8: Schaffung von Investitions- und Entscheidungssicherheit
  • Ziel 9: Sicherung von Gewerbegebieten für Handwerk und produzierendes Gewerbe

Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung sowie die wirtschaftlichen Rahmendaten (Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Einpendler und Auspendler) kann die Landeshauptstadt Hannover in den letzten Jahren eine deutlich positive Entwicklung verzeichnen. Darüber hinaus bietet der Tourismus zusätzliches Potenzial und generiert Arbeitsplätze. Es werden hierdurch zusätzliche Einnahmen geschaffen.

Da die Landeshauptstadt über ein weitreichendes Marktgebiet verfügt, zu denen insbesondere Umlandkommunen im umliegenden Verflechtungsbereich zählen, kann der stationäre Einzelhandel in Hannover auf ein überdurchschnittliches Kaufkraftpotenzial zurückgreifen.

Im Rahmen der Bestandserhebung des Einzelhandels in der Landeshauptstadt Hannover wurden 2.982 Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von 871.380 m² erhoben. Sie erwirtschaften einen Einzelhandelsumsatz von ca. 3,89 Mrd. €.

Im Vergleich zu den Kennwerten des Einzelhandelskonzeptes 2011 (Daten aus dem Jahr 2008) kann die zurückliegende Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Hannover durch folgende grundlegende Tendenzen charakterisiert werden:

  • Bei abnehmender Anzahl der Einzelhandelsbetriebe (-18,7 %) sowie steigender Verkaufsflächen (+3,3 %) konnte der Umsatz um 4,2 % gesteigert werden.
  • Damit zeichnet sich der deutschlandweite Trend einer Ausdünnung des Versorgungsnetzes bei gleichzeitig ansteigender Verkaufsfläche auch in der Landeshauptstadt Hannover ab.
  • Mit einer Zentralität von 119 kann die Landeshauptstadt per Saldo weiterhin deutliche Kaufkraftzuflüsse verzeichnen.

Der Anstieg des einzelhandelsrelevanten Nachfragepotenzials in Hannover resultiert aus gestiegenen Ausgabesätzen im Einzelhandel und der gestiegenen Einwohnerzahl.

Insgesamt ist eine leicht positive Entwicklung des Einzelhandelsangebotes zu konstatieren, bei dem zwar eine kontinuierlich sinkende Betriebsanzahl, jedoch ein leichter Zuwachs an Verkaufsfläche zu verzeichnen ist.

Trotz verminderter Anzahl an Einzelhandelsbetrieben hat sich in den vergangenen Jahren eine insgesamt positive Entwicklung vollzogen. Bei zunehmenden Verkaufsflächen nahm die Flächenproduktivität in €/ m² Verkaufsfläche zwar leicht ab, dennoch konnten die Umsätze insgesamt gesteigert werden.

Aktuell verfügt die Landeshauptstadt Hannover sowohl im periodischen Bedarf als auch im aperiodischen Bedarfsbereich über ein attraktives Angebot, bei dem allerdings insbesondere im periodischen Bedarf quantitative und qualitative Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Der oberzentralen Versorgungsfunktion wird die Landeshauptstadt Hannover gerecht.

Vertiefende Betrachtung: Online-Handel in Hannover

Um detaillierte und empirisch fundierte Handlungserfordernisse bezogen auf die Auswirkungen des Online-Handels in Hannover im Sinne des „Ziels 1: Stärkung der zentrenprägenden Funktionen Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie in den Zentren vor dem Hintergrund des digitalen Wandels“ aufzuzeigen und hieraus geeignete Maßnahmen abzuleiten, wurden im Zuge der Erarbeitung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes folgende Befragungen und Auswertungen vorgenommen:


1. Online-Bürger*innenbefragung
2. Online-Händler*innenbefragung
3. Online-Qualitäts-Checks

 

Die vollständigen Ergebnisse der Befragungen und des Online-Qualitäts-Checks sowie Maßnahmen zum Thema Online-Handel sind im Gesamtbericht (Kap. 11 ab Seite 379 und Kap. 14.8 - Kap. 14.10 ab Seite 589) detailliert aufgeführt.

Im Zeitraum vom 19. Juni bis 31. August 2017 wurde über die Projekthomepage (www.einzelhandelskonzept-hannover.de) eine Online-Bürger*innenbefragung zum Thema Einzelhandel in Hannover durchgeführt. Insgesamt wurde eine Stichprobengröße (n) von 1.098 Befragten erreicht. Von den 1.098 Befragten füllten 798 Teilnehmer den Fragebogen bis zum Ende aus.
Schwerpunkt der Befragung war die Bewertung der Einzelhandelssituation in den Stadtteilen. Dabei erfolgte eine Zuordnung der Teilnehmer*innen nach Haupteinkaufsort in den jeweiligen Stadtbezirks- und Stadtteilzentren, zu denen gezielte Fragen gestellt wurden. Für die Auswertung wurden die Ergebnisse der einzelnen Stadtbezirks-/ Stadtteilzentren jeweils ihrem Stadtbezirk zugeordnet.
Ziel der Befragung war es, Kenntnisse über die Einkaufsorientierung und Zufriedenheit der Einkaufsmöglichkeiten der Befragten in den Stadtbezirken zu erhalten. Thematisch hatte die Befragung folgende Schwerpunkte:
▪ Besucherverhalten der Befragten
▪ Beurteilung der Stadtbezirks-/ Stadtteilzentren
▪ Einkaufsorientierung der Befragten
▪ Verkehrsverhalten

Das Haupteinkaufsverhalten findet im eigenen Stadtbezirk/ Stadtteil statt. Hier zeigt sich, dass die polyzentrische Struktur der Landeshauptstadt Hannover wohnortnahe Einkäufe gewährleistet.

Die Multifunktionalität der Zentren spiegelt sich in den Aufenthaltsgründen der Befragten wider: Während der Einzelhandel hierbei eine dominierende Rolle spielt, werden auch andere Aufenthaltsgründe wie der Besuch von Restaurants oder das Aufsuchen von Dienstleistungsbetrieben häufig genannt. Oftmals werden Besuche von Einzelhandel und Dienstleistungen/ Gastronomie etc. miteinander kombiniert.

Insgesamt zeigt sich, dass die Stadtbezirks-/ Stadtteilzentren häufig aufgesucht werden. Ein Grund hierfür ist die Ansässigkeit vieler Nahversorgungsbetriebe innerhalb der zentralen Versorgungsbereiche. So nehmen sie hier eine wichtige Ankerfunktionen ein.

Die oftmals wohnortnahen Stadtbezirks-/ Stadtteilzentren wurden als gut fußläufig oder gut mit dem ÖPNV erreichbar bewertet. Dies spiegelt eine oftmals wohnortnahe Versorgung in den Zentren wider, sodass in vielen Fällen auf die Nutzung von PKW/ Motorrad verzichtet werden kann.

Die Erreichbarkeit sowie die Öffnungszeiten der Einzelhändler in der Landeshauptstadt Hannover wurden relativ gut bewertet. Bezüglich der Aspekte Angebotsvielfalt, Service, Parkangebot, Sauberkeit, Kulturangebot & Veranstaltungen besteht nach Meinungen der Befragten Optimierungsbedarf.

Bei der Frage nach vermissten Sortimenten wurden zumeist Spezialangebote (spezielle Fachgeschäfte, mehr Auswahl) genannt. Die Grundnachfrage wird dagegen bedient.

Bei der Befragung zum Online-Handel gaben die Befragten an, Multimedia/ Elektronik/ Foto sowie Bekleidung am häufigsten online einzukaufen. Insbesondere die Innenstadt mit den dort angebotenen Produkten steht in Konkurrenz zum Onlinehandel.

Die Besuchshäufigkeit in den Stadtbezirks-/ Stadtteilzentren wird durch den verstärkten Online-Handel wenig tangiert. Leichte Steigerungen der Intensität des Online-Handels sind nach Eigenprognose der Befragten demnach noch zu erwarten.

Insgesamt stimmen die Ergebnisse des Online-Kaufverhaltens der Befragten in Hannover somit mit den allgemeinen Trends und Tendenzen des Online-Handels in Deutschland überein.

Die vollständigen Ergebnisse der Online-Bürger*innenbefragung sind im Gesamtbericht (Kap. 14.8 ab Seite 589) detailliert aufgeführt.

Im Zeitraum vom 19. Juni bis 31. August 2017 wurde in Hannover eine Händler*innenbefragung durchgeführt. Die in Standortgemeinschaften organisierten Händler*innen der Landeshauptstadt Hannover wurden per E-Mail angeschrieben, um über einen Link online an der Befragung teilzunehmen. Insgesamt nahmen 98 Händler*innen an der Befragung teil, wovon 75 den Fragebogen bis zum Ende beantworteten.
Ziel der Befragung war es, Kenntnisse über die Online-Aktivitäten der Händler*innen der Landeshauptstadt Hannover zu erhalten und daraus u.a.
Aussagen über mögliche Maßnahmen zum Thema Online-Handel und Online-Marketing des ortsansässigen Einzelhandels abzuleiten. Thematisch hatte die Befragung folgende Schwerpunkte:
▪ Betriebsformen und Hauptsortimente der Händler*innen
▪ Veränderungen und Wandel des Einzelhandels
▪ Vermarktung und Online-Aktivitäten
▪ Versandservice

Die deutliche Mehrheit der an der Befragung teilgenommenen Betriebe ist inhabergeführt.

Der Großteil der befragten Händler*innen erwartet negative Veränderungen für den Handel in den Stadtteilen der Landeshauptstadt Hannover. Dabei ist die größte Sorge, dass die Leerstände zunehmen könnten.

Der überwiegende Teil der Händler*innen nutzt eine Kombination aus Online- und Offline-Vermarktung. Dazu haben sie als Vermarktungsaktivität eine eigene Website eingerichtet.

Die meisten Händler*innen nutzen für den Aufbau sowie für den laufenden Betrieb der Online-Aktivitäten eine Kombination aus der Unterstützung von Dienstleistern und dem Betrieb selbst.

Bei der Versandart erfolgt die Abwicklung mehrheitlich über überregional agierende Paketdienste. Der größte Teil des Versands erfolgt über konventionelle PKW. Nur zu einem geringen Teil werden umweltfreundlichere Verkehrsmittel genutzt.

Für den Großteil der Händler*innen ist die Gewinnung neuer Kundschaften die wichtigste Anforderung an einen lokalen Online-Marktplatz.

Die größte Schwierigkeit bei der Umsetzung von Online-Marketinginstrumenten ist für die befragten Händler*innen der Zeitmangel/ keine Kümmerer*innen.

Die Mehrheit der befragten Händler*innen findet eine Motivation der Händler*innen zur Teilnahme und aktiven Mitwirkung für die Intensivierung des Themas Online-Handel in ihrem Stadtteil/ Quartier am hilfreichsten.

Die Händler*innenbefragung verdeutlicht, dass der Großteil der befragten Händler*innen eher negative Veränderungen für den Handel in den Stadtteilen der Landeshauptstadt Hannover erwartet. Auch wenn die meisten der befragten Händler*innen über eine eigene Webseite verfügen, fehlen ihnen vor allem die finanzielle Unterstützung und Beratung zum Thema Online-Aktivitäten.

Die vollständigen Ergebnisse der Online-Händler*innenbefragung sind im Gesamtbericht (Kap. 14.9 ab Seite 617) detailliert aufgeführt.

 

Zusätzlich zur Betrachtung der Online-Bürger- und Händlerbefragung wurde von der cima eine qualitative Bewertung der Einzelhändler*innen über deren Online-Auffindbarkeit und Webseitenpräsentation durchgeführt. Insgesamt wurden dabei 420 Betriebe untersucht. Der Fokus lag hierfür auf den C-Zentren:
▪ Linden-Nord Limmerstraße
▪ Linden Mitte
▪ Nordstadt
▪ Vahrenwalder Straße
▪ Südstadt (Hildesheimer Straße)
▪ Kirchrode
▪ Misburg-Nord


Basierend auf der Online-Präsenz sowie dem Gesamteindruck, wurden
folgende Kriterien des Online-Einzelhandels in Hannover beurteilt:
▪ Online-Präsenz: Auffindbarkeit
▪ Online-Präsenz: Eigene Webseite
▪ Online-Präsenz: Online-Handel
▪ Online-Präsenz: Social Media

 

Online-Auffindbarkeit: Die Untersuchung zu der Online-Auffindbarkeit über den Betriebsnamen zeigt, dass der Großteil der Betriebe in den C-Zentren Hannovers grundsätzlich online auffindbar ist. Etwa 9 von 10 Händler*innen sind online präsent. Es wird allerdings auch deutlich, dass bei der Schlagwortsuche über die Hauptbranche nur die Hälfte der Betriebe in den C-Zentren Hannovers zu finden ist.

Eigene Website: Mehr als ein Drittel der Einzelhandelsbetriebe in den C-Zentren besitzt keine eigene Webseite. Häufig angeführte Gründe, warum keine/ kaum Online-Aktivitäten von Händler*innen betrieben werden, sind mangelndes Interesse bzw. kein erkennbarer Bedarf, vor allem bei den standortbezogenen Diensten. Insgesamt ist die Onlinepräsenz der ortsansässigen Händler*innen als gering und deutlich ausbaufähig einzuordnen. Der Zustand der vorhandenen Webseiten ist jedoch in einem guten Zustand.

Online-Handel: Die Mehrheit (75 %) der untersuchten Betriebe betreibt keine Art von Online-Handel. Oftmals sind die Betriebe zu klein oder der Aufwand ist zu groß, um einen Onlineshop anzubieten. Bei dem Großteil der Einzelhändler, die einen Online-Shop besitzen, handelt es sich um Filialisten. Von den 105 Betrieben mit Onlinehandel besitzen 88 (84 %) die Click and Reserve-Funktion.

Social Media: Mehr als die Hälfte der Betriebe in den C-Zentren besitzt keinen offiziellen Facebook-Account. Die überwiegende Mehrheit derjenigen Betriebe, die über einen Facebook-Account verfügen, pflegen ihre Seite mit aktuellen Beiträgen.

 

Insgesamt zeigt sich bei der Untersuchung der Online-Präsenz der in den hannoverschen C-Zentren ansässigen Einzelhandelsbetriebe ein bipolares Bild: Zum einen gibt es Händler*innen, die Online-Marketing-Maßnahmen gezielt zu nutzen wissen und diese auch auf verschiedene Weise einsetzen (Webseite, Social-Media, Online-Shop). Zum anderen gibt es allerdings auch Händler*innen, die Online- Marketing-Maßnahmen noch überhaupt nicht ins Visier ihrer Vermarktung genommen haben. Es lässt sich ebenfalls festhalten, dass immer mehr Händler*innen im Internet zu finden sind und sich viele der Teilnehmer Gedanken über den eigenen Online-Auftritt machen. Die Gesamtbewertung der Qualität der Einzelhändler*innen, die online vertreten sind, zeigt insgesamt ein positives Bild.

Die vollständigen Ergebnisse des Online-Qualitäts-Checks sind im Gesamtbericht (Kap. 14.10 ab Seite 628) detailliert aufgeführt.