Vergnügungsstättenkonzept

Als dritter integrierter Baustein fungiert das Vergnügungsstättenkonzept: Bei der Entwicklung von vitalen, multifunktionalen Zentren spielt die Steuerung der Ansiedlung von Vergnügungsstätten eine entscheidende Rolle.

Vor dem Hintergrund der stetigen Zunahme an Baugesuchen für die Errichtung, Ansiedlung und Erweiterung von Vergnügungsstätten, insbesondere Spielhallen und Wettbüros, besteht wie in vielen anderen Kommunen in Deutschland für die Landeshauptstadt Hannover verstärkter Handlungsbedarf, den mit dem vermehrten Vorhandensein von Vergnügungsstätten einhergehenden negativen städtebaulichen Auswirkungen entgegenzuwirken bzw. diese zu minimieren.

Die Ausbreitung von Vergnügungsstätten kann zu einem schleichenden Abwärtstrend von Stadtquartieren und Straßenzügen führen. Häufig treten Nutzungskonflikte insbesondere mit sozialen und kirchlichen Einrichtungen, Wohnraumnutzungen und Gewerbe- und Handwerksbetrieben auf. Das vorliegende Vergnügungsstättenkonzept liefert eine städtebauliche Analyse des gesamten Stadtgebietes und darauf aufbauend städtebaulich begründete konzeptionelle Empfehlungen zur Steuerung der Vergnügungsstätten. Zielsetzung des vorliegenden Vergnügungsstättenkonzeptes ist es, Vergnügungsstätten an nicht gewünschten Standortlagen auszuschließen, ihnen jedoch an Standortbereichen, die aus städtebaulicher Sicht als weniger sensibel eingestuft werden, angemessene Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Insbesondere die freizeit- und kulturorientierten Vergnügungsstätten können zudem in den Zentren belebende Elemente darstellen.

Übergeordnetes Ziel des vorliegenden Vergnügungsstättenkonzeptes ist es, schädliche Auswirkungen auf die städtebauliche Entwicklung der Landeshauptstadt Hannover durch die Erweiterung bestehender bzw. die Ansiedlung neuer Vergnügungsstätten auszuschließen.

Als Teilziele sind formuliert:

  • Sicherung der zentralen Versorgungsbereiche und ihrer Ergänzungsbereiche als Standorte von Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie
  • Sicherung der Zentren und ihrer Randbereiche als Wohnstandort
  • Sicherung der Sonderstandorte als Standorte für großflächigen nicht-zentrenrelevanten Einzelhandel
  • Sicherung der Gewerbegebiete als Standorte für Gewerbe und Handwerk
  • Vermeidung von „Trading-Down“-Prozessen und damit eines Funktionsverlustes der Zentren und der hannoverschen Gewerbegebiete
  • Entsprechend den rechtlichen Rahmenbedingungen Entwicklungsspielraum für Vergnügungsstätten an Standorten, an denen keine schädlichen städtebaulichen Auswirkungen zu erwarten sind, in einem an den jeweiligen Standort angepassten Maße

Im Vergnügungsstättenkonzept werden Empfehlungen ausgesprochen, in welchen Standortbereichen Vergnügungsstätten auch zukünftig planerisch vorstellbar sind und in welchen Standortbereichen Ansiedlungen nicht empfohlen werden. Sonderrollen nehmen dabei die Standortbereiche Steintorviertel und Raschplatz ein, die eine historisch gewachsene Vorprägung und einen speziellen Charakter besitzen. Diese Bereiche sollen auch weiterhin ihren Charakter als - unterschiedlich ausgeprägte - Vergnügungsbereiche beibehalten.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Insgesamt wurden im Rahmen der Vor-Ort-Erhebungen 242 Vergnügungsstätten im Stadtgebiet von Hannover identifiziert. Diese werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausprägung und ihres Störpotenzials in die Kategorien spielorientierte Vergnügungungsstätten (z. B. Spielhallen, Wettbüros), freizeit-/ kulturorientierte Vergnügungsstätten (z. B. Diskotheken, Mulitiplexkinos, Festhallen) und erotikorientierte Vergnügungsstätten (z. B. Striptease-Lokale, Swinger-Clubs) unterteilt. Bordelle zählen nicht zu Vergnügungsstätten, sondern zu Gewerbebetrieben eigener Art.

Es ist eine deutliche Konzentration der Vergnügungsstätten innerhalb des hannoverschen Stadtgebietes zu konstatieren, welche sich vorwiegend im Stadtbezirk Mitte niederschlägt. In diesem konzentrieren sich die Vergnügungsstätten überwiegend innerhalb des A-Zentrum Mitte, hier insbesondere in den Bereichen Steintorviertel und Raschplatz. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass sich die Vergnügungsstätten überwiegend im westlichen Stadtgebiet befinden, während in weiten Teilen der östlichen Stadtbezirke keine oder nur wenige Vergnügungsstätten vorzufinden sind. Eine weitere Konzentration ist entlang der Hauptverkehrsachsen (z. B. Vahrenwalder Straße, Schulenburger Landstraße, Podbielskistraße, Hildesheimer Straße), zu notieren.

Wie in vielen anderen deutschen Städten auch, entfällt ein Großteil der erfassten Anbieter auf wett- und glücksspielorientierte Vergnügungsstätten (130 Anbieter bzw. 53,7 %). 93 Anbieter und damit 38,4 % zählen zu den freizeit-/ kulturorientierte Vergnügungsstätten und ein vergleichbar geringer Anteil entfällt mit 19 Anbietern bzw. 7,9 % auf Betriebe sexuellen Charakters (erotik-orientierte Vergnügungsstätten).

Die spielorientierten Vergnügungsstätten konzentrieren sich vor allem im innenstadtnahen Bereich in den Stadtbezirken Mitte, Linden-Limmer, Nord, Vahrenwald-List und Südstadt-Bult. Dies ist vor allem auf die Affinität der Spielhallenbetreiber für autoaffine bzw. frequenzstarke Standorte zurückzuführen. In den Nahversorgungs-zentren sind nur vereinzelt Spielhallen vorhanden.

Mit Blick auf das vorhandene Angebot von spielorientierten Vergnügungsstätten in der Stadt Hannover ist im regionalen und landesweiten Vergleich bereits eine überdurchschnittliche Ausstattung an wett- und glücksspielorientierten Vergnügungsstätten zu erkennen.

Die meisten freizeit- und kulturorientierten Vergnügungsstätten befinden sich in Innenstadtnähe. Besonders im Stadtbezirk Mitte sowie Nord sind diese zahlreich vorhanden. Vereinzelt sind auch Vergnügungsstätten dieser Art im Stadtbezirk Döhren-Wülfel vorzufinden. Aber auch gewerblich geprägte Bereiche werden zunehmend von freizeitaffinen Einrichtungen durchsetzt. Hervorzuheben sind vor allem die freizeit-/ kulturorientierten Vergnügungsstätten im Bereich Raschplatz. Auch im Bereich Steintorviertel befinden sich vermehrt Nachtlokale, Clubs, Tanzlokale und Diskotheken. Zusätzlich ist ein Varieté im Innenstadtbereich angesiedelt. Zu freizeit- und kulturorientierten Vergnügungsstätten zählen auch Festhallen und Sportbars, die im Stadtgebiet von Hannover häufig in Gewerbegebieten liegen. Museen, Opern o. ä. kulturelle Einrichtungen zählen nicht zu Vergnügungsstätten.

Erotikorientierte Vergnügungsstätten sind überwiegend im A-Zentrum Mitte (hier insbesondere Steintorviertel), nördlich des Hauptbahnhofes und in den Gewerbegebieten (z. B. Stadtbezirk Misburg-Anderten: Gewerbegebiet Misburg-Süd, Misburger Hafen/ Deurag-Nerag Süd oder Stadtbezirk Ricklingen: Gewerbegebiet Ricklingen) vertreten.